Doku: Uhus mit Nachwuchs- Begegnung im Mischwald

Seit einigen Jahren scheint die Uhu-Population in Schleswig-Holstein wieder zuzunehmen.
Der Uhu zählt auch schon lange zu einem meiner Wunschmotive. Leider konnte ich bislang keine Uhus ansprechend ablichten. Herausgekommen sind bislang nur wenige „Belegbilder“.
Umso mehr freute es mich als ich einen Tipp von einem Jäger im Bekanntenkreis erhalten habe, wo grad ein Uhu-Pärchen brütet. So erhielt ich die Chance Uhus doch noch etwas näher zu kommen. Anfang Mai 2016 hat es dann geklappt :)

Eigentlich sind es ja eher Tiere, die an Steil- oder Felshängen brüten oder mal einen alten Greifvogelhorst in Beschlag nehmen.
Sollte ihnen ein Revier gefallen, sie dort aber keine passenden Nistmöglichkeiten vorfinden, brüten sie auch schon mal in Mulden an großen Baumstämmen. Das ist dann eine etwas seltenere Bodenbrut.
Zum Glück handelt es sich hier, zumindest aus fotografischer Sicht, um ein Pärchen mit Bodenbrut.


Wie auch immer. Ich packte meine 7-Sachen und fuhr zum Ort des Geschehens.
Vorgefunden habe ich sie in einem Mischwald mit sehr hohem Buchenbestand. Auch viele wirklich alte Buchen standen herum. In ca. 120 Metern zum Nest befindet sich ein Bestand mit einigen Nadelbäumen.
Am Waldrand beginnt eine Wiesenlandschaft mit einigen Teichen, beste Bedingungen also für Uhus und ihre Beutejagd.

Uhus-Umgebung vom Nest

Hier ein Bild von der Umgebung. Im hellen Bereich sieht man die aufgebaute Kamera mit Tarnnetz etc. sowie links dahinter den Baum mit dem Uhu-Nest. Hier lässte sich evtl. auch erahnen, dass dies die einzig mögliche Position war um ein einigermaßen freies Sichtfeld auf die Jungtiere zu haben. Aus anderen Winkeln wäre zu viel Vegetation im „Weg“.

Um Unruhe zu vermeiden und um nicht den Weg bzw. die Sicht auf das Nest für Predatoren freizumachen entschied ich mich die Umgebungsbedingungen einfach zu akzeptieren und das Beste aus der vorgegebenen Situation zu machen. Ich nutze einen kleine, vegetationsarmen Korridor als Sichtschneise zum fotografieren, verzichtete also darauf irgendwelche Pflanzen und Äste beiseite zu räumen.


Mir bot sich anfangs folgendes und rein optisch eher unspektakulär erscheinendes Bild:

Ein grauer Knäul irgendwas, den man im vorbeigehen sicherlich auch für wuchernden Pilz hätte halten können.

Ein grauer Knäul irgendwas, den man im vorbeigehen sicherlich auch für wuchernden Pilz hätte halten können.

Hier zur Veranschaulichung eine kleine Videosequenz der Szene:


Im Voranschreiten der Tageszeit erwachten die Jungtiere zunehmend und schauten neugierig in die Umgebung. Oft wurden sie durch Geräusche in der Umgebung neugierig und schauten in die entsprechende Richtung.
Dies war der Moment in dem ich auch zumindest eines der Elterntiere entdeckte. Es hatte sich auf einem Baum in ca 50m Entfernung niedergelassen. Aufgeregte Krähen um das Elterntier herum verrieten mir schließlich die genaue Position.
Die Krähen ließen jedoch bald ab und es herrschte wieder „Ruhe“ im Wald.
Das Elterntier schien mich schon zu beobachten, hatte jedoch die meißte Zeit geschlossene Augen. Zudem wirkte es nicht aufgeregt und machte keine physischen Anstalten mich in irgendeiner Form vertreiben oder mich durch „Verleiten“, also Vortäuschung einer Verletzung, vom Nest weglocken zu wollen.
Weder Elterntier noch die Jungtiere schienen mich als Bedrohung wahrzunehmen, sicher jedoch als „ungewohntes Objekt oder gar Eindringling“.
Von daher legte ich immer wieder Pausen ein in denen ich garnichts machte, nicht einmal beobachte, sondern nur still auf dem Boden herumlag und per Telepathie versuchte Zecken von mir fernzuhalten oder wahlweise Käferchen auf meinen Händen zu zählen. Spätestens in diesen Momenten schliefen die Jungtiere in der Regel wieder ein, sofern sie nicht durch andere Geräusche aufmerksam wurden.

Eines der Elterntiere auf seinem Posten

Eines der Elterntiere auf seinem Posten

Ein Jungtier erwacht und schaut etwas "gelangweilt"

Ein Jungtier erwacht und beobachtet mich bzw. eher die Objektivmündung

Es kommt etwas Leben in die Bude

Es kommt etwas Leben in die Bude…

... wenn auch nur recht langsam. Man muß ja erstmal richtig wach werden :)

… wenn auch nur recht langsam. Man muß ja erstmal richtig wach werden :)

Erneute Wachphase bei deutlich niedrigerem Sonnenstand

Erneute Wachphase bei deutlich niedrigerem Sonnenstand

Hier ein kleines Video von der gegenseitgen Gefiederpflege:


Hier ein Video welches zeigt, wie ein Jungtier seine Umgebung beobachtet und dabei vom Geschwisterchen beäugt wird.


Ich hoffe ich konnte hier einen kleinen Einblick in mein Hobby und ein paar Hintergründe liefern.
Es hat mir jedenfalls viel Freude bereitet und um eine glückliche Erfahrung sowie einige Bilder und Videos reicher, konnte ich den Heimweg antreten.
Hoffentlich kommen die Kleinen gut durch und suchen sich auch bald selbst eine Nistmulde oder einen alten Horst.

6 Kommentare:

  1. aloah seb,

    dank des oberen bildes kann ich mir die situation jetzt gut vorstellen… immer wieder errstaunlich was für vertrauen die alten haben, dass das gut geht ^^
    die videos sind echt gut, mag ich so kleine detailaufnahmen mit ohrenknabbern usw.

    grüße

    • Moin Bernd.
      Yo, war selbst überrascht. Hatte Alex A. noch angefunkt ob er noch Tipps hat bezügl. der Situation und vor Allem der Elterntiere. Wenn auch selten gehen die anscheinend doch mal auf einen los. Da man die im Flug ja überhaupt nicht hört rechnete ich schon mit Einschlägen auf dem Kopf. Aber nichts dergleichen passierte.
      Zum Glück schienen die so entspannt, dass sie fast durchgehend schliefen. So habe ich vom adulten Tier mehr Aufnahmen mit den geschlossenen „Gremlin“ Augen als mit offenen :)
      Schönen Gruß und danke für dein Interesse
      Sebastian

  2. Ulrike Gürtler

    Bin begeistert von dem Anblick und davon , wie behutsam vorgegangen wurde, diesen Naturzauber fotographisch zu bannen. Danke für’s Zeigen!

  3. Wunderbare Aufnahmen und viel Geduld und Liebe für die Natur! Danke für’s Teilen und viel Erfolg weiterhin!

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