Fotografie von Limikolen (Watvögeln)

Bislang habe ich verschiedene Limikolen Arten an Seeufern, der Nordsee und am Ostseestrand fotografieren können. Meiner Meinung nach braucht es hier zwei verschiedene Vorgehensweisen. Im folgenen Text erzähle ich etwas über meine Erfahrungen in dem Bereich und was sich unterscheidet.

Limikolen – Gemeinsamkeiten:

Meiner Erfahrung nach trifft auch bei Watvögeln zu:
„Je größer der Vogel, desto scheuer“
Kleine Arten wie z.B. den Fluss- und Sandregenpfeifer empfinde ich als weniger scheu als z.B. Große Brachvögel und Waldwasserläufer.
Sobald sich die Tiere an die Anwesenheit des Fotografen gewöhnt haben, werden sie schnell zutraulicher. Wichtig hierbei:

  • wenig Unruhe,
  • möglichst keine Störungen von Dritten
  • man sollte liegen
  • sich wenig bewegen
  • nicht andauernd versuchen den Vögeln näher zu kommen
  • dezente Tarnung
  • Geduld

Generell kann es Sinn machen bestimmte Stellen bereits in der Dunkelheit aufzusuchen und somit VOR den Tieren vor Ort zu sein. Falls man sich z.B. eines Tarnzeltes bedient kann es auch mal helfen sich mit zwei Personen an die Location zu begeben, der Fotograf verschwindet in der Tarnung (z.B. Zelt), die zweite Person haut wieder ab. Leider findet sich selten entsprechende Hilfe :)
Anscheinend können die Vögel nicht zählen und realisieren nur, dass die Gefahr wieder verschwindet und entspannen sich.

Wo finde ich Watvögel

Watvögel suchen die Nähe zu Gewässern. Das können kleine Teiche sein, Seen, große Pfützen in Kiesgruben und natürlich der Strand am Meer. Auch große Baugebiete mit Pfützen, Moorlandschaften , Gewerbegebiete und naturnahe Flachdächer werden mitunter gern als Habitat angenommen. Dort finden sie einfach das Nahrungsangebot welches sie brauchen. Wie der Name es schon vermuten lässt, waten sie durch flaches Wasser in Uferbereichen und suchen dort nach Nahrung. Ebenso gern sind Spülsäume gesehen. Frisch angespülte Algen, Treibgut usw. werden oft nach Freßbaren durchsucht.
Wichtig für sie sind also relativ flache, vegetationsarme Uferbereiche. Gern auch etwas sandig oder schlammig, ggf. auch mit Kieselsteinen. Einerseits zur Brut, andererseits auch, weil sich zwischen ihnen auch immer mal wieder Insekten rumtreiben. Oft bietet es sich an nach bestimmmten Wetterlagen loszuziehen und sein Glück zu versuchen. Herrschte an einem Tag z.B. kräftiger und anlandiger Wind, ist die Chance groß, dass am Folgetag das Ufer nach angespülter Nahrung durchsucht wird. Bzw. Nahrung welches sich im „Treibgut“ aufhält. So können etwa angespülte Algenteppiche am Meer eine ideale Nahrungsquelle für mehrere Tage sein.
Auf der anderen Seite kann einem, und den Tieren, das Wetter auch einen Strich durch die Rechnung machen. Das konnte ich erst dieses Jahr genau beobachten. Lang anhaltender Dauerregen hat den Wasserspiegel des Sees wo ich sonst oft angesessen habe dermaßen ansteigen lassen, dass sämtliche flachen Uferbereiche und Uferregionen so weit überflutet wurden, dass sie für die Limikolen anscheinend nicht mehr interessant waren. Sie zogen zu umliegenden Gewässern ab. 
Eine weitere Idee kann es sein bestimmte Beobachtungshütten aufzusuchen. Der NABU beispielsweise betreibt grad in Küstennähe einige Schutzgebiete und hat dort Beobachtungshütten aufgestellt. An der Nordsee kann man beispielsweise gut Säbelschnäbler aus solchen Hütten heraus beobachten. Da auch der NABU mitbekommen hat, dass nicht nur Beobachter sondern auch Fotografen diese Hütten nutzen, werden zunehmend Hütten umgebaut, bzw. neue mit bodennahen Luken versehen, die ein Fotografieren aus niedriger Perspektive erlauben. Es empfiehlt sich vor Ort mal Informationszentren aufzusuchen oder sich vor Anreise über bestimmte Gebiete einfach mal zu googlen. Oft sind auf Internetseiten der Naturverbände genauer der Ortsverbände und Regionalverbände nähere Informationen zu finden. Hier mal ein Link zu Schleswig-Holstein.

Wann kann ich Watvögel beobachten

Nun, in einigen Gebieten das ganze Jahr über. Sicher aber zu deren Brutsaison im Frühjahr bis in den Sommer hinein. in Küstengebieten und im Küstennahen Binnenland finden sich in den Wintermonaten aber auch häufig Arten an, die eigentlich weiter nördlich zu Hause sind und den Winter lieber in etwas gemäßigteren Zonen verbringen möchten. Wer also auf der Suche nach bestimmten Arten ist, sollte schauen in wie weit sie Zugvögel sind und wo die Winterreviere liegen.
Sollte man sich in der Nähe vom Wattenmeer befinden, sollte dringend auf die Gezeiten geachtet werden. Vögel, die sich an kleinen Gewässern in Küstennähe aufhalten verschwinden bei Ebbe oft Richtung Nordsee. Der plötzlich freiliegende Meeresboden gibt dann halt seine Schätze frei und Nahrung ist leichter zu erreichen. So kann es sein, dass kleine Tümpel einige Kilometer neben der Küstenlinie plötzlich „Vogelfrei“ sind. Bei Flut hingegen ist der Strand plötzlich nicht mehr so relevant und sie ziehen wieder Richtung Binnengewässer. Bei einem geplanten Besuch an der Nordsee bietet es sich also an, dem Gezeitenkalender Aufmerksamkeit zu schenken.

Fotgrafische Tipps zur Watvogel-Fotografie

Meerstrandläufer Foto

Meerstrandläufer mit Umfeld

Um auf Nummer Sicher zu gehen sollte man zumindest eine Brennweie im Bereich von 400mm-600mm dabei haben. Bodennahes Arbeiten empfiehlt sich sehr, so lassen sich die Motive schön vom Hintergrund abheben. Zudem ist man liegend weniger auffällig und die Tiere nähern sich eher mal.
Auch kürzere Objektive wie z.B. ein 70-200 können durchaus Sinn machen. Bilder mit viel Umfeld drum herum, die die Stimmung vor Ort und den Lebensraum oft besser mit einfangen können auch sehr schick sein.
Geduld ist auch hier ein gutes Stichwort. Bleibt euch bis zu einem Gewissen Grad Standorttreu. Die nächsten Spaziergänger am Strand kommen bestimmt. Eventuell scheuchen die Nächsten eine Gruppe Vögel genau in eure Nähe. 
Manche der Tiere bewegen sich sehr schnell. Sanderlinge zum Beispiel flitzen oft vor der Brandung weg und bewegen sich in einem sehr schnellen Tempo den Strand entlang. Gut zielen und ein schnelles AF System mit Objektiv ist also sinnig.
Nutzt Serienbild Aufnahme. Der Hintergrund auch bei stehenden Motiven kann sich ständig ändern. Hat man beispielsweise eine sich brechende Welle im Hintergrund ändert sich die Bildwirkung teilweise massiv.
Zur Veranschaulichung füge ich mal zwei Bilder ein.

Alpenstrandläufer - Januar 5

Alpenstrandläufer – ruhiger Hintergrund

Alpenstrandläufer - Januar 6

Alpenstrandläufer mit Brandung im Hintergrund


 

Limikolen am Seeufer

An Uferbereichen von Seen habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich hier etwas mehr Aufwand in die Tarnung stecken muss. Ich glaube, dass es zumindest in den Gebieten in denen ich häufiger unterwegs bin mit folgenden zwei Faktoren zusammenhängt:
a) die Vögel sind an Menschen nicht so gewohnt wie an viel besuchten Strandabschnitten
b) es sind oft andere und evtl. scheuere Arten unterwegs als am Meer

Die Tarnung besteht meisst aus einem Tarnnetz  sowie einigen Tarntüchern oder Tarnschals. Ich stecke einige Stöcker in den Boden und platziere das Tarnzelt so, dass ich quasi von ihm zugedeckt bin. An der Front befestige ich oft einige Tarnschals oder Stoffe um das Stativ etwas zu tarnen. Bewährt hat es sich, dass Objektiv so wenig wie möglich herausgucken zu lassen. So werden Bewegungen des Objektivs nicht so stark wahrgenommen. Die Tarnstoffe verhindern zudem, dass ich als Mensch von vorn erkannt werde. Das Tarnnetz spanne ich auch deshalb über mich, damit überfliegende Vögel wie z.B. Enten oder auch meine Wunschmotive, mich nicht sehen können, Alarm schlagen und den See in Aufruhr versetzen.
Bachstelze-jun4Auch, wenn sie einen nicht als Gefahr wahrnehmen merken die Tiere oft, dass in ihrem Revier zumindest ein neues Objekt aufgetaucht ist und nähern sich in der Regel erst einmal vorsichtig und checken die neue Situation. Wichtig ist es hier Ruhe zu bewahren und nicht sofort wilde Schwenks zu machen und drauf los zu knipsen.
Oft helfen einem auch andere Tiere wie z.B. Bachstelzen, die einfach mal vorbei und oft nah rankommen und anderen Tieren vermitteln, dass hier keine Gefahr lauert!
Aber auch das sind ja gern gesehene  Motvie.

Hier ein Bild eines vergleichbaren Tarn Set Ups und eines Flußregenpfeifers: (siehe auch: Making Of – Graureiher)
Tarnung See


Limikolen am Strand

Hier empfiehlt es sich die oft weitläufigen Strandabschnitte etwas zu beobachten und zu schauen wo sich welche Arten gern rumtreiben. Oft kommen die Vögel ja in kleineren Gruppen, grad in den Wintermonaten und suchen immer wieder die gleichen paar Meter des Strandes nach Nahrung ab oder ruhen dort.
Grad im Winter ist hier sehr warme Kleidung wichtig. Möglichst wasserdicht sollte sie zudem sein. Die Breite der Iso Matte ist begrenzt und so können zumindest die Ellenbogen immer mal wieder nass werden. Zudem ist es manchmal recht auffällig mit der Iso Matte rum zu hantieren und kann Vögel auch verscheuchen.
Mittlerweile bin ich dazu übergegangen wasserdichte Winterkleidung zu tragen. Es hat den Vorteil, dass man

  • gut vor der Kälte geschützt ist
  • winddicht eingepackt ist
  • Wasser und Feuchtigkeit kein Problem darstellt
  • Latzhosen-Variante, hält Nieren usw schön warm
  • selbst wenn die Jacke in liegender Position mal etwas hochrutsch sind die Flanken gut geschützt

Es haben sich bei mir folgende Klamotten sehr bewährt: (Werbung)
– die Deerhunter Kleidung gibt es auch in Camo (Realtree Max 5 usw.)

Dazu nutze ich eine Jacke von Il Lago (Askari Hasumarke glaube ich)
Sie ist ebenfalls sehr warm, wasserdicht und bequem zu tragen.
Hier der „Link zur Jacke„…

An diesen Stellen kann man sich dann entsprechend positionieren. Zwar verscheucht man sie auch bei vorsichtiger und langsamer Annäherung oft, dennoch kehren sie nach meiner Erfahrung früher oder später wieder an diesen Abschnitt zurück. Ob man dort noch liegt oder nicht spielt dann keine große Rolle mehr. Oft nähern sie sich bereits nach wenigen Minuten bis auf wenige Meter.
Auch hier unterscheidet sich das Verhalten der jeweiligen Arten untereinander dennoch. Auch hier gilt wieder: Je kleiner der Vogel desto weniger scheu kommen sie mir vor.
Sanderlinge und Alpenstrandläufer zum Beispiel näherten sich mir in der Vergangenheit oft und schon sehr früh. Große Brachvögel und Rotschenkel hingegen sind oft etwas skeptischer.
Allerdings nutze ich am Strand kaum Tarnung. Oft reicht oliv / sandfarbene Kleidung und ein kleines Tarntuch vor dem Körper um nicht jede Bewegung hinter dem Objektiv sofort sichtbar zu machen. Je nach Beschaffenheit vor Ort nutze ich gern einige größere Steine oder Vegetation, um nicht ganz so auffällig zu liegen.
Dies hat sich besonders bei Großen Brachvögeln sehr bewährt, da mir diese Tiere sehr scheu vorkommen.
Anbei ein paar Bilder meiner gebräuchlichsten Tarnung am Strand. Wenn man es denn überhaupt als Tarnung bezeichnen mag.

Limikolen - Tarnung Strand

Hier fehlt noch das Tarntuch :)

Limikolen am Seeufer - Tarnung 2

hier die typische Strandtarnung, nur halt an einem Teich

Limikole am Strand - Alpenstrandläufer

Beispielfoto Alpenstrandläufer


Wichtige Hinweise:

Als Schutz vor Wasser und Staub empfiehlt es sich, einen Objektiv Schutz zu verwenden. Besser noch einen Regenschutz. Ein Objektiv Wechsel oder mal eben einen Telekonverter an-/abbasteln sollte vermieden werden. Sonst kann man gleich die nächste Sensor Reinigung einplanen.
Viele Watvögel brüten in Ufernähe. Sie bauen keine richtigen Nester sondern legen ihre Eier oft einfach zwischen einigen Kieselsteinen ab.  Sie sind also Bodenbrüter ohne auffälliges Nest. Zudem sind die Eier sehr gut getarnt. Passt also auf, wo ihr hintretet, haltet euch an Absperrungen, betretet nicht die Dünen. Viele Bereiche sind vom Naturschutz als Brutbereich ausgewiesen und es gibt oft Hinweissschilder. Bitte haltet euch daran.

Austernfischer Foto

Austernfischer beim brüten

Grad die Nest-Fotografie ist ja sehr umstritten. Auch bei Limikolen finde ich es grenzwertig, sich den Tieren in der Brutsaison zu nähern. In einigen Bereichen ist dies jedoch möglich ohne die Tiere dabei stark zu stören. Entsprechende Einhaltung von gewissen Distanzen ist dabei aber sehr wichtig.
Auch mit dem gebotenen Respekt vor den Tieren und der Einhaltung von Auflagen wie z.B. nicht in Sperrzonen einzutreten etc. lassen sich, wie ich finde, ansprechende Bilder realisieren.
Siehe hier am Beispiel eines Austernfischers mit seinem Nachwuchs.
Nichts wäre schlimmer als wenn die Elterntiere das Nest verlassen und Eier oder Nachwuchs auskühlen. Also bitte wirklich vorsichtig!
 


Hier mal eine kleine Material Aufführung: (Werbung)

 

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